Wer sich mit der additiven Fertigung beschäftigt, wird früher oder später auf die Norm ISO 52900 stoßen. Warum diese Norm so wichtig ist und was sie beinhaltet, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Wer legt die ISO 52900 fest?

Die DIN EN ISO/ASTM 52900, Kurzform ISO 52900, wurde vom DIN-Normenausschuss Werkstofftechnologie erstellt. Als Basis für dieses Verfahren gelten die DIN-Normenausschuss Grundlagen der Normungsarbeit (NAGLN). Da es sich um eine internationale Norm handelt, waren entsprechend auch Mitglieder der Internationalen Organisation für Normung (ISO) an der finalen Definition beteiligt.

DIN-Normen werden regelmäßig, spätestens alle fünf Jahre, auf den Prüfstand gestellt. Entsprechen sie nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik oder weisen andere Probleme auf, werden sie überarbeitet oder komplett zurückgezogen. Auch die erstmals 2015 veröffentlichte und 2017 ergänzte ISO 52900 wurde bereits 2018 erneut überarbeitet, um sie den neuesten Entwicklungen anzupassen.

Was steht in der ISO 52900?

Die Norm ISO 52900 Additive Fertigung – Grundlagen – Terminologie ist die internationale Grundlage, wenn es um die Kommunikation rund um das Thema „Additive Fertigung/Additive Manufacturing“ geht. Es steht also nicht die Fertigung an sich im Fokus, sondern die Terminologie. Dabei deckt die ISO-Norm unterschiedliche Bereiche ab.

Definition „Additive Fertigung“

Die Norm definiert die additive Fertigung als „Prozess, der durch Verbinden von Material Bauteile aus 3D-Modelldaten, im Gegensatz zu subtraktiven und umformenden Fertigungsmethoden, üblicherweise Schicht für Schicht, herstellt.“ Die Definition erfolgt also einerseits durch eine Beschreibung des Vorgehens, andererseits durch eine Abgrenzung von anderen Herstellungsverfahren. Somit ist eine grundlegende Definition geschaffen, auf deren Basis eine Kommunikation erfolgen kann.

Definition Prozesskategorien in der additiven Fertigung

Aufbauend auf dieser Basisdefinition unterteilt die Norm die additive Fertigung in sieben Prozesskategorien. Hierzu werden deutsche und englische Begriffe sowie entsprechende Akronyme definiert. Die sieben offiziellen Prozesskategorien sind demnach:

  1. Freistrahl-Bindemittelauftrag, (en: binder jetting, BJT),
  2. Materialauftrag mit gerichteter Energieeinbringung, (en: directed energy deposition, DED),
  3. Materialextrusion, (en: material extrusion, MEX),
  4. Freistrahl-Materialauftrag, (en: material jetting, MJT),
  5. pulverbettbasiertes Schmelzen, (en: powder bed fusion, PBF),
  6. Schichtlaminierung, (en: sheet lamination, SHL) und
  7. badbasierte Photopolymerisation, (en: vat photopolymerization, VPP)

So kann auch international über die verschiedenen Verfahren gesprochen werden, ohne dass Missverständnisse oder Unklarheiten auftauchen.

Weitere Begriffsdefinition der Norm

Des Weiteren regelt ISO 52900 die Definition aller anderen grundlegenden Begriffe in der additiven Fertigung rund um die Themen:

  • Verarbeitung: Allgemeines
  • Verarbeitung: Daten
  • Verarbeitung: Werkstoffe
  • Anwendungen
  • Eigenschaften

Leitfaden zur Prozessabbildung

In der Praxis unterscheidet sich das Vorgehen auch innerhalb der einzelnen Prozesse deutlich. Schließlich können mit jedem Prozess zahlreiche verschiedene Materialien verarbeitet und Ergebnisse erzielt werden. Um den jeweiligen Prozess nachvollziehbar und detailliert abzubilden, beinhaltet ISO 52900 im aktuellen Überarbeitungsentwurf einen Leitfaden.

Er zeigt, wie individuelle Prozesse mithilfe international verständlicher Akronyme abgebildet und beschrieben werden können. So kann das aufgezeichnet werden (Quelle: DIN Deutsches Institut für Normung e. V.). Dadurch ist eine genauere Beschreibung als durch die bloße Einteilung in Prozesskategorien möglich.

Welche Normen gibt es neben der ISO 52900 noch?

Das Feld der additiven Fertigung ist im industriellen Kontext noch vergleichsweise jung. Daher werden kontinuierlich neue Normen entwickelt, die nach und nach alle Bereiche regeln. Zu den neuesten DIN-Normen gehören unter anderem:

  • DIN EN ISO/ASTM 52950: Additive Fertigung – Grundlagen – Überblick über die Datenverarbeitung
  • DIN EN ISO/ASTM 52903-2: Additive Fertigung – Materialextrusionsbasierende additive Fertigungsverfahren für Kunststoffe – Teil 2: Prozesszubehör
  • DIN EN ISO/ASTM 52942: Additive Fertigung – Grundsätze der Qualifizierung – Prüfung von Anlagenbedienern für pulverbettbasierte Laserstrahlanlagen und Ausrüstung für metallische Werkstoffe für Luft- und Raumfahrtanwendungen

Die DIN EN ISO/ASTM 52900 ist allerdings die Basis, um sich sicher auf dem Parkett des Additive Manufacturing zu bewegen und sollte grundlegend verstanden werden, um die weiteren Normen sowie das Alltagsgeschäft erfolgreich zu meistern.

ISO 52900: Grundlage für Kommunikation zwischen Experten

Die Beschäftigung mit DIN- und ISO-Normen scheint auf den ersten Blick oftmals mühsam und trocken. Doch gerade in einem so jungen Fachbereich, wie es die additive Fertigung ist, ist die Einigung auf feste Terminologien und Begrifflichkeiten ein wichtiger Schritt. Nur so kann die Industrie gemeinschaftlich – sei es national oder international – wichtige Gespräche führen, innovative Entwicklungen vorantreiben und zusammen die Herausforderungen der Branche meistern.

 

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